Der Stichtag der nächsten Regelbeurteilung rückt näher - und natürlich sofort die damit verbundenen Dilemmata. Wie soll ich beurteilen? Leistungsgerecht! Das reicht nicht als Kriterium. Sie wissen als Beurteiler in der ÖV: das Beurteilungswesen ist eine gigantische Demotivationsmaschine. Ich muss mich als Erst- oder Zweitbeurteiler entscheiden, welche Tugend im Vordergrund stehen soll: "Ehrlichkeit" oder "Klugheit"?
Bei "ehrlicher Beurteilung", demotiviere ich die meisten meiner Mitarbeiter; wenn die anderen "klug" beurteilen, verbaue ich ihnen zudem ihre Zukunft. Bei "kluger Beurteilung" - soll heißen nur die Bestnote(n) werden vergeben - kommt bei nachfolgenden Beförderungen das Hilfskriterium "Dienstalter" zur Anwendung, (im übrigen das einzige Kriterium, das mehrheitlich von den Mitarbeitern als gerecht angesehen wird) und alle außer den wenigen Überfliegern oder Durchlauferhitzern sind es zufrieden.
Nun gibt es immer Leistungsfanatiker, die einem das Leben schwer machen wollen - dazu wurden Zwangsgauß und fixe Quoten erfunden. Um hier "klug" zu agieren, bedarf es schon weitgehenden "Gemauschels" mit den Mitarbeitern - keine wirklich beglückenden Aussichten für Sie als Führungskraft.
Oder hat man Ihnen vielleicht gesagt, Verwaltung sei auch nichts anderes als ein "kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen"?
Jetzt sind Sie kein Amtsleiter oder Referatsleiter mehr, sondern vielleicht "Produktbereichsleiter", sie machen ja Produkte. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (um das große "I" zu vermeiden und nicht noch weiter zu frustrieren) haben das nicht so richtig mitbekommen und behaupten, sie machen das Gleiche wie zuvor. Das kann aber nicht sein, haben Sie doch längst die Segnungen eines Produkthaushalts, der Kosten- und Leistungsrechnung, eines Controllings und wie die anderen Qualen des NSM (für Anfänger: Neues Steuerungs-Modell) heißen mögen, am eigenen Leibe erfahren.
Damit das mit den Mitarbeitern besser in Schwung kommt, sollen Sie jetzt institutionalisierte Mitarbeitergespräche einführen, selbstverständlich Zielvereinbarungen, und am Horizont drohen schon Anreizsysteme und ein wiederzubelebendes Vorschlagswesen.
Irgendwie haben Sie so ein unbestimmtes Gefühl, dass das alles doch wieder nur Bürokratie vermehren und Motivation vermindern wird, irgendwie beschleicht Sie die Ahnung, dass die Bedenkenträger in Ihrer Organisationseinheit doch die eigentlich Intelligenten sind und mal wieder Recht hatten.
Dies wäre dann ein guter Zeitpunkt, mit uns zu reden. Keine Angst, das kostet noch nichts. Außerdem kennen wir die Entscheidungswege und Vorlaufzeiten bis etwas in Gang kommt.
Zum Trost, die nicht nur von uns immer wieder gemachte Erfahrung:
Verwaltung ist unbegrenzt leidensfähig!
(Leider steht das so noch in keinem der neu konzipierten Leitbilder.)